Living the Change

Professor Thomas Hirth KIT,Henning Strauch

Professor Thomas Hirth, Vizepräsident des KIT, zur KIT Science Week

Als Vizepräsident für Innovation und Internationales des KIT setzt sich Professor Thomas Hirth dafür ein, dass Forschende Verantwortung übernehmen und die großen globalen Herausforderungen der Menschheit im Austausch mit allen gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren gestalten.

Er findet: Die KIT Science Week öffnet hierfür einen idealen Raum. In diesem Gespräch verrät er, welche Idee dahintersteht und wie er Wissenschaft und Gesellschaft mit innovativen Veranstaltungsformaten  wie diesem enger zusammenführen will.

Herr Professor Hirth, mit der Science Week hat das KIT eine vielfältige Veranstaltungswoche ins Leben gerufen, um Wissenschaft in die Stadt und in die Region zu bringen. Wie ist es dazu gekommen?

Uns treibt die Mission an, dass wir mit Forschung, Lehre und Innovation entscheidend dazu beitragen wollen, die großen globalen Probleme der Menschheit zu lösen. Deswegen setzt das KIT explizit auf Transfer. Aber natürlich: Die Menschen wollen wissen, was wir am KIT tun, um Themen wie den Klimawandel, die Mobilitätswende oder die Digitalisierung voranzutreiben, und vor allem, wie dies der Gesellschaft insgesamt hilft. Und uns ist schon seit langem bewusst, dass wir, wenn wir diese Mission erfüllen wollen, den Dialog mit den Menschen weiter ausbauen und auch über neue Wege nachdenken müssen, wie wir sie als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erreichen. Dieser Verantwortung gerecht zu werden und Forschung durch Interaktion und im Dialog mit der Gesellschaft zu fördern, war deswegen auch ein ganz zentraler Punkt, als wir uns um den Status als Exzellenzuniversität beworben haben. Die Idee der
Science Week ist mit diesem Antrag geboren worden.

Warum ist ein intensiver Austausch mit der Gesellschaft so wichtig, um Innovationen zu entwickeln?

Weil Innovationen keine Zukunft haben, wenn wir sie an den Bedarfen der Gesellschaft vorbei entwickeln. Dieser kontinuierliche Dialog ist aus zwei Gründen wichtig. Zum einen, um den Menschen zu zeigen, welchen Nutzen unsere Forschung, das Wissen und die Technologien, die daraus hervorgehen, haben.
Damit erweitern wir bewusst unseren Transferhorizont. Es geht uns nicht nur um den Austausch mit Wissenschaft und Wirtschaft, sondern wir wenden uns auch an die Politik, die Kultur, die interessierte Öffentlichkeit, also an die Zivilgesellschaft insgesamt. Und das führt mich zum zweiten Punkt. Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ wollen wir die verschiedenen Gruppen bestmöglich bedienen. Wenn wir zum Beispiel mittels Künstlicher Intelligenz unsere Klimamodelle weiterentwickeln und damit bessere Wetterprognosen ermöglichen, profitieren alle davon und nicht nur eine Gruppierung.
Die Leitidee des KIT „Living the change“ spiegelt diese beiden Gedanken sehr schön wider.

 

 

Living the Change Diese Leitidee, die den Weg öffnen soll für ein neues Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, setzen Sie ja auch bereits mit dem Format der Reallabore um.

Das ist richtig. Die KIT Science Week baut auf der Idee der Reallabore auf. Reallabore geben uns die Möglichkeit, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und über einzelne Forschungsdisziplinen hinweg wissenschaftlich exzellente und zukunftsfähige Lösungen zu erproben und zu optimieren. Mit diesen Labs erreichen wir die Lebenswirklichkeit der Menschen und lassen sie neue Technologien hautnah erfahren – zum Beispiel zu den Themen „Autonomes Fahren“, „Nachhaltiger Klimaschutz“ oder auch „Humanoide Robotik“. Das alles sind Themen, die wir auch während der Science Week aufgreifen wollen.

Sie haben eben die Verantwortung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gegenüber der Gesellschaft betont. Wie fördern Sie diese Haltung am KIT?

Wir wollen, dass junge Menschen lernen zu reflektieren, was sie mit ihrer Forschung bewirken. Wenn sie zum Beispiel ein neues Verfahren oder einen neuen Algorithmus entwickeln, sollen sie von Anfang an mitdenken, was sie mit damit Positives, aber auch Negatives bewirken können. Um diese Haltung schon früh
an die Studierenden heranzutragen, haben wir am KIT die Academy for Responsible Research, Teaching and Innovation, kurz ARRTI, gegründet. Wir schaffen hier ein Lehrangebot, das mit Blick auf neue Technologien beispielsweise ethische und ökologische Fragen aufgreift und das allen offensteht – von den Natur- über die Ingenieurwissenschaften bis hin zu den Geistes und Sozialwissenschaften.

Mit der Science Week betreten auch Sie Neuland. Was erhoffen sie sich persönlich?

Ich wünsche mir, dass dieses Event über den Tag hinaus eine Strahlkraft entfaltet, die weit über die Region Karlsruhe hinausgeht. Dass sich die Science Week zu einem Treffpunkt entwickelt, zu dem die Menschen gerne kommen und von dem sie viele neue Impulse mit zurücknehmen können. Aber auch wir am KIT wollen Impulse aus dem Dialog mit der Gesellschaft aufgreifen. Auf alle Fälle wollen wir nach der Premiere in diesem Oktober das Format fortführen und weiterentwickeln. Die KIT Science Week soll kein singuläres Ereignis bleiben.

Das Interview führte Dr. Jutta Witte